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UNI_02_2017

UNIREPORTAGE Die russischen Studenten am GRIAT werden mit Stipendien der Republik Tatarstan unterstützt. Die Auslandssemester deutscher Studenten werden über das Programm Erasmus+ gefördert. Foto: A. Savin UNI I 02 I 2017 45 | Mit hohen Investitionen von russischer Seite und mit Unterstützung des DAAD wurde in Kasan, der Hauptstadt Tatarstans, das GRIAT errichtet und 2014 eröffnet. Die ersten Absolventen erhalten ihre Doppelabschlüsse. Die Ausbildung erfolgt nach dem Vorbild der deutschen Ingenieurausbildung und wird von deutschen und russischen Dozenten durchgeführt. Kasan hat eine reiche Kultur. Blick von der Wolga auf den Kasaner Kreml mit Kul-Scharif-Moschee und Mariä- Verkündigungs-Kathedrale. Sie gelten als Symbol für das friedliche Zusammenleben verschiedener Religionen. Fotos: TU Ilmenau / GRIAT und „Neuronale Netzwerke“ besucht. In den Vorlesungen wurde zunächst eine knappe Stunde Theorie erklärt, bevor sich der praktische Teil anschloss, in dem die Studenten selbstständig das behandelte Wissen anwenden konnten. Große Unterstützung Meist hatte ich am Nachmittag Vorlesung, vormittags besuchte ich einen Intensivkurs für Russisch. Im universitären Umfeld kann man sich gut auf Englisch verständigen, was allerdings außerhalb der Universität überhaupt nicht mehr funktioniert. Deshalb sollte man auf jeden Fall Russisch lernen. Die Universität hilft dabei, wo sie kann. Jeden Vormittag wurde ich in Grammatik und dem Umgang mit der Sprache unterrichtet. Den Samstagnachmittag habe ich dann meinerseits genutzt, um Deutschkurse zu geben. Diese werden vom Deutschen Haus in Kasan, einer Organisation, die sich mit der deutschen Sprache und Kultur beschäftigt, angeboten. Dort habe ich auch viele neue Freunde gefunden. Aber das kann man in Kasan gar nicht verhindern. Egal, wo ich hinkam, waren die Leute überaus herzlich, was nicht überall selbstverständlich ist. Wunderschöne Weihnachten Weitere Highlights meines Auslandssemesters waren die Weihnachtsferien, in denen mich meine Freunde aus Deutschland besucht haben. Nachdem ich ihnen Kasan gezeigt habe, sind wir mit einem russischen Nachtzug zum wunderschön verschneiten Moskau gefahren. Und natürlich der Skiausflug zum 16-Stunden- Busfahrt entfernten Ural-Gebirge. Distanzen werden in Russland etwas anders eingeschätzt als in Deutschland. Eine Freundin hat mir das so erklärt: Wenn sie jemand fragt, wo sie herkommt, sagt sie, sie komme aus Kasan, das sei in der Nähe von Moskau. Dabei muss man wissen, dass zwischen Kasan und Moskau rund 800 km liegen … Eisige Temperaturen und warmherzige Menschen Um nun auch zur letzten Frage zu kommen. Ja, meine Jacke war größtenteils warm genug, obwohl die meisten Einheimischen meine für russische Verhältnisse „dünne“ Winterjacke kritisch beäugt haben. Der russische Winter hat seinem Namen alle Ehre gemacht. Geschneit hat es ab Ende Oktober und die Temperaturen sind stetig gesunken, bis das Minimum von -31°C im Dezember erreicht war. Riesige Eiszapfen sind von den Dächern gewachsen und der Schnee hat sich zu mannshohen Haufen aufgetürmt. Die Zeit in Russland hat mir viel gegeben. Nicht nur, wie man in einen wirklich frostigen Winter zurechtkommt, sondern auch, wie man sich als Ausländer in einem fremden Land fühlt. Vor allem aber, wie wundervoll es ist, so herzlich willkommen zu sein.


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