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UNI_02_2017

UNITITEL Im Interview Prof. Dirk Westermann Projektleiter der dynamischen Netzleitwarte an der TU Ilmenau UNI: Wie im Beitrag vorgestellt, ist die Ilmenauer Leitwarte der Prototyp für die nächste Generation von Netzleitwarten. Wie sehen die Pläne für die Überführung der neuen Leittechnik in die Praxis aus? Prof. Westermann: Zunächst bildet die in Ilmenau nun in enger Kooperation der Partner aufgebaute Netzleitwarte den aktuellen Stand der Technik ab, ganz so wie sie bei den Übertragungsnetzbetreibern von Siemens projektiert wird. In einem nächsten Schritt im Rahmen dieses Projektes werden neue Module und Funktionalitäten in das bestehende System eingebettet. Dies beinhaltet auch das Schaffen gänzlich neuer Methoden wie etwa zur Kommunikation auf Basis neuartiger Datenformate. Die Untersuchungen und Tests, die dann folgen, ermöglichen bereits eine praxisnahe Anwendung. Dies wird auch durch die Fernwirkverbindung nach Magdeburg sichergestellt, mit deren Hilfe die real existierende örtliche Trennung zwischen Netzbetriebsmitteln und der Leitwarte Berücksichtigung findet. Die im Rahmen des Projektes aufgebaute Leitwarte der neuen Generation soll im Anschluss als Demonstrator dienen. Weitere Implementierungstests neuer Funktionen oder eine Erprobung durch die Übertragungsnetzbetreiber sind fortan möglich. UNI: Mit der dynamischen Leitwarte steht dem Fachgebiet ein einzigartiges Forschungs- und Versuchslabor rund um die IT im Energiesystem von morgen zur Verfügung. Welche neuen Möglichkeiten für Forschung und Kooperation eröffnen sich damit in der Zukunft? Prof. Westermann: Durch das Alleinstellungsmerkmal der geschaffenen Laboranlage eröffnen sich neue Möglichkeiten zur Entwicklung neuer Methoden im Bereich der anwendungsnahen Kommunikation und Betriebsführung elektrischer Energiesysteme sowie deren anschließenden Erprobung. Durch den im Artikel beschriebenen Strukturwandel des gesamten elektrischen Energiesystems über alle Netzebenen hinweg eröffnet sich eine Vielzahl neuer Aufgaben hinsichtlich der Koordination der neuen Betriebsmittel, mit Schwerpunkt auf die HGÜ, der Wahrung der Netzsicherheit und Stabilität sowie der Kommunikation zwischen Leitwarte und Netz, aber auch anderen Leitwarten und angrenzenden Bereichen. Traditionell nehmen wir dabei die Perspektive der Netzbetreiber ein, um diesen potenzielle Werkzeuge für zukünftige Aufgaben an die Hand geben zu können. UNI: Wie der Artikel beschreibt, geht die Energiewende mit einem enormen Ausbau der Netze einher. Allerdings ist die Akzeptanz für den Bau neuer Trassen in der Bevölkerung nicht immer gegeben. Was kann die Wissenschaft tun, um diese Akzeptanz zu erhöhen? Prof. Westermann: Im Rahmen der Wissenschaft ist ein objektives Herangehen an Sachverhalte und Fragestelllungen grundlegend. Eine fundierte Arbeit mit einer Veröffentlichung der Ergebnisse in Artikeln, Vorträgen oder Fachpublikationen bietet Transparenz und die Möglichkeit, Fakten auch für eine interessierte und informierte Bevölkerung zu liefern. Zudem motiviert sich das gesamte Projektvorhaben auch daraus, den aus der Energiewende erwachsenden neuen Anforderungen zu begegnen. So geht es immer um eine sinnvolle Kombination aus gezielten Netzausbaumaßnahmen und der Optimierung von Prozessen, um die Versorgungssicherheit für die Bevölkerung unter der Wahrung ökologischer und wirtschaftlicher Prinzipen. UNI I 02 I 2017 23 | Fotos: Siemens AG


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