Page 22

UNI_02_2017

UNITITEL rung der Stabilität im dynamischen Netz entwickelt, mit der sogenannte Arbeitspunkte der HGÜ-Verbindungen in einem oder mehreren HGÜ-Netzen berechnet werden können. Diese in bestimmten Abständen über die HGÜ-Umrichter verteilten Arbeitspunkte dienen den Forschern als Kennziffern, anhand derer sie definieren können, wie viel Strom über das bestehende Wechselspannungsnetz und wie viel Strom über die neue Gleichspannungstechnologie | 22 UNI I 02 I 2017 transpor tiert werden soll. Von diesem Verhältnis hängt die Stabilität des gesamten Systems ab. Je stabiler das System gehalten werden kann, umso geringer ist auch seine Störungsanfälligkeit, etwa im Falle einer sehr starken Netzbelastung. „Für eine möglichst hohe Netzstabilität hat unser Team eine Methode zur Berechnung sogenannter präventiver Arbeitspunkte entwickelt“, so Professor Westermann. „Diese werden so bestimmt, dass der Abstand zur Stabilitätsgrenze möglichst groß ist. Der Ausfall von Betriebsmitteln, zum Beispiel einer Leitung oder eines HGÜ-Umrichters, führt damit nicht zu einer kritischen Situation. In der Fachsprache wird dieser erwünschte Zustand als n-1-sicher bezeichnet. Wir optimieren diesen Zustand unter Berücksichtigung neuer hochdynamischer Anlagen im Netz.“ Intelligentes Datenmanagement bei Störungen Neben innovativen Methoden zur Optimierung der Netzstabilität forschen die Wissenschaf tler der TU Ilmenau im DynaGrid-Projekt an intelligenten Verfahren, mit denen schnellstmöglich Störungen identifiziert und Gegenmaßnahmen eingeleitet werden können. Die Forscher machen sich dabei den Umstand zunutze, dass jede Störung ganz bestimmte Eigenschaften aufweist. Professor Westermann: „Störungen hinterlassen ähnlich einem Fingerabdruck charakteristische Zeitverläufe von Strom, Spannung und Frequenz. Anhand dieser eindeutig identifizierbaren Verläufe haben wir ein Verfahren zur intelligenten Messgrößenerfassung und -verarbeitung für eintretende Störfälle entwickelt. Damit können wir Havarien unmittelbar erkennen und sofort ganz gezielt Gegenmaßnahmen aktivieren. So werden Folgeausfälle verhindert und das Gesamtsystem wird schnell wieder in einen sicheren Betriebszustand überführt.“ Pilotanlage der Zukunft Mit seiner breiten Aufstellung deckt das Verbundvorhaben die gesamte Wertschöpfungskette von der Evaluation des Stands der Technik über die Entwicklung neuer Methoden zur Datenübertragung, Datenverarbeitung und Betriebsführung bis hin zur Erprobung der Forschungsergebnisse unter realitätsnahen Bedingungen ab. Die Ilmenauer Pilotanlage ist daher auch so konzipiert, dass sie sowohl als Forschungsplattform als auch Versuchseinrichtung genutzt werden kann. Sie wird auch nach Abschluss des DynaGrid-Projekts als Laboranlage für Forschungsfragestellungen und Industriekooperationen rund um den Betrieb großer elektrischer Energiesysteme vor allem mit erneuerbaren Einspeisungen und HGÜ-Strecken und -netzen dienen. Und nicht nur das: Nach dem er folgreichen Aufbau des über zwei Bundesländer verteilten Versuchs- und Demonstrationslabors für den Betrieb des Energiesystems von morgen wollen die Partner auch künftig zusammenarbeiten. Siemens-Koordinator Professor Krebs: „In Mitteldeutschland haben wir international anerkannte Experten für die Lösung der Herausforderungen beim Umbau unseres Energieversorgungssystems. Jetzt wollen wir ein dauerhaftes Forschernetzwerk zur gemeinsamen Weiterentwicklung von Hochtechnologien der Zukunft etablieren.“ Foto: Siemens AG Foto: ari


UNI_02_2017
To see the actual publication please follow the link above