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UNI_02_2017

UNITITEL | 20 UNI I 02 I 2017 von-Guericke-Universität Magdeburg simulierten Hochspannungsnetzmodells erprobt und erforscht. Das Modell bildet mit Hilfe moderner Echtzeit-Simulatoren und maßstabsgerechter Hardware- Modelle der HGÜ-Verbindungen ein komplexes Gesamtsystem realitätsnah ab. Es ist vergleichbar mit dem europäischen Stromnetz. Die Ilmenauer Leitwar te überwacht und steuert in Echtzeit aus fast 300 Kilometern Entfernung das Magdeburger Labornetz und übernimmt das intelligente Datenmanagement. Das Netzmodell schickt dafür seine Messdaten an die Netzleitwarte in Ilmenau, wo sie analysiert und bearbeitet werden. „Alle anfallenden Daten wie Belastungen, Energietranspor t und Umwandlung werden an die Leitwarte übertragen und von ihr unter Einsatz neu entwickelter Softwareprogramme und leistungselektronischer Komponenten verarbeitet“, erläutert Prof. Westermann. „Anschließend sendet die Leitwarte die entsprechenden Befehls- bzw. Steuerungssequenzen an das Netzmodell zurück.“ Neue Methoden für die Netzstabilität Um die vielfältigen Herausforderungen rund um das Stromnetz der Zukunft zu lösen, fließen die im Rahmen des Dyna- Grid-Vorhabens entwickelten innovativen Steuerungs- und Regelungsverfahren der Partner in der verteilten Forschungs- und Versuchsanlage zusammen. So leisten Experten der Universität Bochum die Beiträge zur Regelungstechnik und Leistungselektronik für das Transportnetz und die dynamische Leitwarte, während sich die Universitäten und Fraunhofer Partner in Ilmenau und Magdeburg die Forschungsarbeiten zur Optimierung der Datenerfassung, -analyse und -verarbeitung im Gesamtsystem teilen. Dabei liegt der Fokus neben der Entwicklung innovativer Sof tware zur schnelleren Verarbeitung der gesamten Datenströme im dynamischen Netz und damit der höheren Reaktionsgeschwindigkeit in Havarie-Situationen auch auf der vorausschauenden Beurteilung des Systemverhaltens. An der TU Ilmenau wurde dafür eine innovative Methode zur Siche- Erprobung neuer Methoden und Funktionalitäten für zukünftige Anforderungen. Professor Westermann: „Leitwarten sind das Gehirn des gesamten Systems, das alle Vorgänge im Netz steuert und überwacht. Je komplexer und dynamischer das System ist, umso größer ist die Datenmenge, die in Bruchteilen von Sekunden erfasst und verarbeitet werden muss, um die Versorgung stabil zu halten und im Bedarfsfall schnell eingreifen zu können. Mit den gemeinsamen Arbeiten im DynaGrid-Vorhaben wollen wir die Leitwarten- und Stationsleittechnik zukunftsfähig ausbauen.“ Am Ende soll ein System stehen, das die Steuerung und Betriebsführung im Netz selbsttätig regelt und den Operatoren der Leitstellen erlaubt, auf dynamische Netzzustände effektiv zu reagieren. Echtzeitbetrieb am Netz der Zukunft Um diese enorme informationstechnische Aufgabe zu lösen, werden die neuen Funktionen anhand eines an der Otto- Innenansicht einer Umrichterstation mit modernsten HGÜ-Modulen Foto: Siemens AG


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