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UNI_02_2017

UNIPOLITIK 50 JAHRE | 14 UNI I 02 I 2017 Vorbild für lebendige Partnerschaft I von Klaus-Dieter Fritz, TU Ilmenau Koordinator der Deutschen Ingenieurfakultät MEI – TU Ilmenau Es gibt Momente im Leben, die bewusstseinserweiternd wirken können. Zu einem solchen Moment ist vielen unter uns die 50-Jahrfeier der Partnerschaft mit der Nationalen Forschungsuniversität „Moskauer Energetisches Institut“ (MEI) erwachsen. Die Partnerschaft steht in der historischen Linie der deutsch-russischen Wissenschaftsverbindungen, welche durch Zar Peter den I. ihren größten Aufschwung nahm. Die 1725 gegründete neue Sankt Petersburger Akademie wurde nach Vorbildern in Paris, London und Berlin mit Unterstützung deutscher Gelehrter wie Gottfried Wilhelm Leibniz entworfen und beraten. 67 von späteren 111 Akademiemitgliedern waren Deutsche. Christian Wolff, Professor für Philosophie an der Universität Halle, hatte seinerzeit in Leonhard Euler große Erwartungen geweckt, als dieser, von Wolff ermuntert, 1727 nach Sankt Petersburg aufbrach: „Sie reisen jetzt in das Paradies der Gelehrten …“ Tempora mutantur. Die Partnerschaft mit dem MEI hat ihren eigenen historischen Kontext, der jeweils durch die deutsche und die russische Entwicklung nach dem 2. Weltkrieg, und insbesondere die der letzten 25 Jahre, gekennzeichnet ist. Bemerkenswert ist es, dass die der Zusammenarbeit zwischen dem MEI und der HfE, TH und TU Ilmenau innewohnende Energie groß gewnug war und noch immer ist, wissenschaftliche und wunderbare freundschaftliche Brücken zu schlagen sowie wohl auch historisch das Richtige zu tun. Umfangreiche DAAD-Förderung Die Befürchtung, dass sich der Blick der Ilmenauer Wissenschaftler nach der Wiedervereinigung Deutschlands ausschließlich in Richtung Westen richten würde, hat sich nicht bewahrheitet. Dabei hat der Deutsche Akademische Austauschdienst den wissenschaftlichen Austausch mit Russland stets mit großem Engagement gefördert. Sein Programm „Ostpartnerschaften“ wurde in Folge der neuen Ostpolitik von Bundeskanzler Willy Brandt eingerichtet und stellt bis heute eine komfortable Basis der gemeinsamen Arbeit dar. Heute ist der Strom deutscher Wissenschaftler und Studenten, welche es nach Russland zieht, noch immer nicht versiegt, jedoch gewann seit der Initiative des Deutschen Akademischen Austauschdienstes Mitte der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts die Bewegung in die Gegenrichtung enorm an Bedeutung. Infolge dessen zählte das Statistische Bundesamt 2014 etwa 15.000 Studierende aus Russland in Deutschland. 34 Prozent der ausländischen Masterstudierenden in Ingenieurwissenschaften in Deutschland sind Russen. An der TU Ilmenau bestehende, strukturierte Ausbildungsprogramme wie das der „Deutschen Ingenieurfakultät MEI - TU Ilmenau“ unter Leitung von Professor Hannes Töpfer zeichnen ein Bild der freundschaftlichen Zusammenarbeit, die scheinbar frei von ökonomischen Zwängen ist. Die finanziellen und personellen Anstrengungen für diese Programme waren und sind jedoch gewaltig und lassen sich für die letzten 20 Jahre allein für das MEI mit geschätzten drei Millionen Fotos: TU Ilmenau / MEI


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