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100 Forschung für die Wirtschaft | Thüringisches Institut für Textil- und Kunststoff-Forschung AN-INSTITUTE Thüringisches Institut für Textil- und Kunststoff-Forschung Werkstoffe haben die Entwicklung der Menschheit seit jeher bestimmt, die Epochen der Vor- und Frühgeschichte wurden gar nach den jeweils charakteristischen Werkstoffen benannt: Steinzeit, Bronzezeit, Eisenzeit. Die dominierende Werkstoffklasse unserer Zeit sind Kunststoffe. Das Thüringische Institut für Textil- und Kunststoff-Forschung TITK ist darauf spezialisiert, Kunststoffe so zu verändern, dass Werkstoffe mit völlig neuen, funktionellen Eigenschaften entstehen – Kunststoffe der neuen Generation. Zusammenarbeit bereits zu acht gemeinsamen interdisziplinären Forschungsprojekten mit Förder- und Drittmitteln von über 4,1 Millionen Euro. Für Leichtbauanwendungen optimiert das Institut Faserverbundwerkstoffe und erforscht neue Materialien, etwa für innovative polymerbasierte Schaumhalbzeuge. Es entwickelt elektrisch stimulierte farbwechselnde, sogenannte elektrochrome Module, die flexibel sind und daher auf gekrümmten Oberflächen angebracht werden können. Da sie großflächig und in kurzer Zeit herzustellen sind, lassen sie sich kostengünstig produzieren. Das TITK forscht auch an sogenannten Polymer-Aktuatoren, die, da elektrisch oder magnetisch stimulierbar, ihr Volumen und ihre Form verändern und dadurch Bewegungen ausführen können. Der Medizintechnik dienen sie in Zukunft beispielsweise als künstliche, implantierbare Muskeln oder sie lassen sich in technische Bewegungssysteme integrieren, etwa um Industrierobotern das Laufen oder die Handhabung von Lasten zu ermöglichen. Kunststoffbasierte Sensoren könnten künftig in der Kraftfahrzeugtechnik oder in Fahrerassistenzsystemen eingesetzt werden. Das TITK gehört zu den Initiatoren der deutschen Industrieforschungsgemeinschaft Konrad Zuse e. V., die sich seit Januar 2015 als dritte Säule im deutschen Wissenschaftssystem und als Gesprächspartner für Politik und Wirtschaft versteht. Die Mitglieder, unabhängige Forschungseinrichtungen aus den verschiedensten Bereichen und dem gesamten Bundesgebiet, erarbeiten Maßnahmen zur besseren Nutzung des Industrieforschungspotenzials in Deutschland, fördern den Ergebnistransfer in die Wirtschaft und beschleunigen die Markteinführung neuer Produkte, Technologien und Dienstleistungen. Das 1991 gegründete Thüringische Institut für Textil- und Kunststoff Forschung TITK verändert die Eigenschaften von Polymerwerkstoffen und stellt daraus beispielsweise elektrisch leitende oder halbleitende Werkstoffe her oder solche mit optischen, magnetischen oder antimikrobiellen Eigenschaften. Dabei verwenden die Wissenschaftler Polymere, die von der chemischen Industrie produziert werden oder aber aus der Natur stammen, etwa Cellulose oder Stärke. Die Vielseitigkeit von Kunststoffen wird von keiner anderen Materialklasse übertroffen und macht sie, da sie sich zudem energiesparend herstellen und verarbeiten lassen, für eine Vielzahl zukunftsträchtiger und hochinnovativer Wirtschaftsbereiche interessant. Moderne Polymerwerkstoffe sind beispielsweise unerlässlich für die Herstellung von Verpackungsmitteln und Lifestyle-Produkten, für die Fahrzeug- und Verkehrstechnik, die Mechatronik, die Informations- und Kommunikationstechnik, die Optik und Photonik, die Energietechnik, die Bio- und Medizintechnik und für die Mikro- und Nanotechnik. Das TITK betreibt Vorlaufforschung und industrienahe angewandte Forschung vorrangig für kleine und mittelständische Unternehmen der kunststoffverarbeitenden und -anwendenden Industrie. Seitdem es 2004 An-Institut der TU Ilmenau wurde, führte die enge „Unsere Kunststoffe leiten Elektrizität, speichern Wärme, sind hautpflegend oder fest und leicht zugleich.“


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