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96 Forschung für die Wirtschaft | iba Institut für Bioprozess- und Analysenmesstechnik AN-INSTITUTE iba Institut für Bioprozess- und Analysenmesstechnik „Biotechniques at Interfaces“ – Oberflächen von biologischen und nichtbiologischen Materialien und Interfaces, also Grenzflächen zwischen solchen Materialien, stehen im Fokus der Forschung des iba Instituts für Bioprozess- und Analysenmesstechnik. Oberflächen und Grenzflächen – das sind jene Flächen, mit denen sich zwei verschiedene Stoffe gegeneinander abgrenzen – stehen in den Lebenswissenschaften zunehmend im Blickpunkt von Forschung und Anwendung. Das Heiligenstädter Institut darf auf diesem Gebiet als ein Pionier bezeichnet werden. Hauptkomponenten für die Herstellung von Kunststoffen. So vielfältig wie die bearbeiteten Materialien sind auch die Anwendungen, für die das iba Heiligenstadt Forschungs- und Entwicklungsarbeiten durchführt. Die Oberfläche eines Bioimpedanzsensors, der in Kontakt mit Zellen steht, muss andere Eigenschaften aufweisen als das Interface eines Implantats oder die Oberfläche einer mikrofluidischen Fließstrecke, die mit Stammzellen in Berührung kommt. Gemeinsam ist ihnen die Forderung nach Bio- oder Oberflächenkompatibilität der Komponenten eines Systems aus verschiedenen biologischen und technischen Materialien. So sollen Oberflächen medizinischer Geräte so beschaffen sein, dass wegen des damit verbundenen Infektionsrisikos keine Mikroorganismen auf ihnen wachsen. Der Grundlagenforschung des Instituts steht auf der Anwendungsseite eine Vielzahl an nationalen und internationalen Verbundforschungsprojekten gegenüber, die dem Institut hohe Drittmitteleinnahmen sichern. Dazu zählten 2014 und 2015 Themen zu Elektroden für Cochleaimplantate, also für medizintechnische Gehörhilfen, die Optimierung der Stammzellenkultivierung in mikrofluidischen Systemen oder die laserbasierte Untersuchung der Wechselwirkung von Tumorzellen mit der sie umgebenden extrazellulären Matrix. Auch im Jahr 2014 richtete das iba Institut für Bioprozess- und Analysenmesstechnik wieder das Heiligenstädter Kolloquium aus. Zur 17. Auflage kamen über 200 Wissenschaftler und Anwender aus Forschung und Industrie. Höhepunkt war der Eröffnungsvortrag des Göttinger Biophysikers Prof. Erwin Neher, der für seine Forschungen an Ionenkanälen, die die Membran einer Zelle durchziehen, 1991 den Nobelpreis für Medizin erhalten hatte. Seit seiner Gründung 1992 betreibt das iba Institut für Bioprozess- und Analysenmesstechnik, das seit Ende 2014 An-Institut der TU Ilmenau ist, ambitionierte angewandte Forschung und Produktentwicklung auf dem Gebiet der Oberflächen und Grenzflächen. Mit dem Ziel, funktionsoptimierte technische Systeme für die Lebenswissenschaften zu entwickeln, untersuchen und verändern die 60 Naturwissenschaftler, Ingenieure und Techniker anwendungsorientiert Grenzflächen zwischen organisch-biologischen und anorganisch technischen Materialien. Die anwendungsbezogenen Fragen, mit denen sich die Wissenschaftler befassen, betreffen die verschiedensten Wissenschafts- und Technologiefelder und sind entsprechend interdisziplinär angelegt. Ebenso unterschiedlich sind die technischen und biologischen Materialien, die sie bearbeiten: einerseits Mikroorganismen und Zellen, andererseits Glas, Keramiken, Metalle und Polymere, die „Auf unserem traditionsreichen Heiligenstädter Kolloquium hielt Nobelpreisträger Prof. Erwin Neher die Eröffnungsrede.“


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