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88 Forschung auf höchstem Niveau | Forschergruppe Silver Mobility INDUSTRIENAHE FORSCHERGRUPPEN Silver Mobility – Nahfeld-Mobilitätskonzepte für die Altersgruppe 50+ In Deutschland gibt es immer mehr Ältere und folglich auch immer mehr Menschen, die nur noch eingeschränkt mobil sind. Mobilität bis ins hohe Alter zu erhalten – das war das Ziel der Forschergruppe Silver Mobility – Nahfeld-Mobilitätskonzepte für die Altersgruppe 50+. Sie verbesserte bestehende Rollstühle und Rollatoren und entwickelte vollkommen neuartige Mobilitätskonzepte. Das Fachgebiet Technische Mechanik analysierte das Bewegungsverhalten von rollstuhlfahrenden Basketballern und leitete daraus Verbesserungen der Struktur und Bedienung von Rollstühlen ab. Besonders wichtig dabei: ein passender Sitz. Um die Sitzanatomie des Menschen erforschen zu können, erarbeitete das Fachgebiet Qualitätssicherung und Industrielle Bildverarbeitung neue optische Vermessungsverfahren. Zusammen mit der Otto Bock Mobility Solutions GmbH aus Königssee entwickelte und erprobte es die Fertigung individuell anpassbarer Sitzschalen. Das Fachgebiet Systemanalyse, die Firma Otto Bock und das Fraunhofer Institutsteil Angewandte Systemtechnik AST versahen Elektro-Rollstühle mit Komponenten modernster Fahrzeugtechnologien: Rückfahrkamera mit Hinderniserkennung, verbesserte X-by-wire-Steuerung per Joystick und Reichweitenplanung in Echtzeit. Und die Fachgebiete Technische Mechanik und Kraftfahrzeugtechnik gestalteten einen neuen Rollstuhlprüfstand zum Testen der Interaktion Nutzer-Rollstuhl während des Fahrens auch auf wechselnden Untergründen. Das Fachgebiet Biomechatronik realisierte zwei grundlegend neue Konzepte: einerseits den „intelligenten“ mechatronischen Rollator, der den Nutzer durch Zusatzantriebe und Bremsunterstützung entlastet. Mit Hilfe von Sensoren erkennt er, ob der Nutzer bremsen will oder den Handgriff nur losgelassen hat, um zum Beispiel jemandem zuzuwinken. Andere Sensoren kontrollieren den aktuellen Gesundheitszustand des Nutzers, bei Problemen meldet das System diese auf Wunsch an einen Arzt und weist dem Rollatorfahrer den anstrengungsärmsten Weg nach Hause. Das Fachgebiet Biomechatronik startete zudem die Entwicklung eines „Showcars“: des Whegmobils. Statt Rädern besitzt das Whegmobil „Whegs“, Mischkonstruktionen aus wheels und legs, Rädern und Beinen. In Kombination mit weiteren technischen Neuentwicklungen ist das System in der Lage zu „fahren“ und zu „klettern“, insbesondere über Bordsteinkanten. Das Fachgebiet Marketing schließlich analysierte den Markt für Mobilitätshilfen und die heutigen Vermarktungsstrategien und leitete aus den Ergebnissen Ansätze für marktfähige, technologische und organisatorische Neuentwicklungen ab. Wenn das Gehen im Alter schwerer fällt, können technische Hilfen die Mobilität älterer Menschen unterstützen. In der Forschergruppe Silver Mobility optimierten und entwickelten zehn wissenschaftliche Mitarbeiter unter der Leitung von Prof. Hartmut Witte von 2012 bis 2015 Mobilitätshilfen für ältere Menschen: Fahrräder, Rollstühle und Rollatoren. Neben den Wissenschaftlern aus sechs Fachgebieten der TU Ilmenau waren an der vom Freistaat Thüringen mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds finanzierten Forschergruppe auch Wissenschaftler „Wir haben Mobilitätshilfen für ältere Menschen entwickelt: modernste Rollstühle und Rollatoren.“ des Ilmenauer Fraunhofer Institutsteils Angewandte Systemtechnik AST und der Friedrich-Schiller-Universität Jena beteiligt. Der Funktionsbereich Motorik, Pathophysiologie und Biomechanik der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie Jena sorgte dafür, dass neben modernen Technologien auch die physiologischen Möglichkeiten der Nutzer berücksichtigt werden konnten.


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