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86 Forschung auf höchstem Niveau | Forschergruppe Service-Robotik für die Gesundheitsassistenz INDUSTRIENAHE FORSCHERGRUPPEN Service-Robotik für die Gesundheitsassistenz (SERROGA) Die Deutschen werden immer älter und der Anteil der älteren Menschen an der Gesamtbevölkerung wächst. Dieser demografische Wandel stellt unsere Gesellschaft vor enorme Herausforderungen. Doch Studien des Bundesforschungsministeriums ergaben, dass intelligente Assistenzroboter die Antwort darauf sein können. Die Forschergruppe Servicerobotik für die Gesundheitsassistenz (SERROGA) hat sozial agierende Roboter entwickelt, die älteren Menschen helfen, in ihrer gewohnten Umgebung länger unabhängig von menschlicher Betreuung zu leben und den Alltag allein besser zu bewältigen. Der von der Forschergruppe SERROGA entwickelte Roboterbegleiter animiert den älteren Menschen zu Fitnessübungen, misst seinen Puls und Blutsauerstoffgehalt, erinnert ihn an die Einnahme von Medikamenten und an wichtige Termine ebenso wie an Geburtstage, mit ihm können Notizen verwaltet und Verwandte und Freunde angerufen werden. Bei der Umsetzung all dieser Funktionen achteten die Wissenschaftler der Forschergruppe ganz besonders auf Nutzerfreundlichkeit: Alle Befehle an den Roboter sollten intuitiv verständlich erteilt werden können und dieser sollte sich, wenn er mit dem älteren Menschen interagiert, höflich verhalten. Die Wissenschaftler konzipierten die Roboter so, dass sie für einen Langzeiteinsatz in häuslicher Umgebung tauglich sind und führten umfangreiche Funktions- und Nutzertests in realistischer Umgebung durch. Die Tests in privaten Seniorenwohnungen der Arbeiterwohlfahrt Thüringen und der ARTIS GmbH in Erfurt bestätigen, dass die Assistenzroboter trotz sehr unterschiedlicher Einsatzbedingungen einfach zu bedienen sind und auch über einen mehrtägigen Zeitraum stabil funktionieren. Roboter helfen, die Lebenssituation älterer Menschen zu verbessern, insbesondere, indem sie ihnen ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen. Angesichts der demografischen Entwicklung in Deutschland verspricht die Service- und Assistenzrobotik hohe wirtschaftliche Wachstumsraten und neue Arbeitsplätze in zukunftsträchtigen Hightech Branchen. Zur praxisnahen Umsetzung von Servicerobotern für ältere Menschen wurde die Forschergruppe von einem Unternehmensbeirat aus Thüringer Unternehmen aus den Bereichen der Robotik, der Gesundheitsassistenz, des vernetzten Wohnens und von potenziellen Endnutzern unterstützt. Die zunehmende Zahl unterstützungsbedürftiger Menschen führt zu einem Mangel an Pflegekräften. Viele Pflegetätigkeiten an älteren Menschen können von Assistenzrobotern zur Unterstützung in deren Alltag übernommen werden. Einem solchen „Gesundheitsroboter“ bescheinigt eine Studie im Auftrag des Bundesforschungsministeriums und des Verbandes der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik, VDE, besonders große Akzeptanz. Um Thüringen frühzeitig einen Zugang zum Zukunftsmarkt für solche Assistenzsysteme zu erschließen, entwickelte und erprobte die Forschergruppe Servicerobotik für die Gesundheitsassistenz (SERROGA) – von 2012 bis 2015 vom Freistaat Thüringen aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds gefördert – mobile, interaktive Roboter, die ältere Menschen im Alltag unterstützen. Die Forschergruppe unter der Leitung von Prof. Horst-Michael Groß bestand aus Wissenschaftlern der Fachgebiete „Neuroinformatik und Kognitive Robotik“ und „Medienpsychologie/ Medienkonzeption“. „Wir haben einen der weltweit längsten Tests von autonomen, mobilen Robotern für ältere Menschen erfolgreich durchgeführt.“


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