Die Dosis macht das Gift, so verhält es sich auch mit Wettbewerb in kreativen Prozessen. Ähnlich beschrieb es die New York Times kürzlich in ihrem Artikel „For Workplace Creativity, Find the Right Dose of Competition” und bezog sich auf ein Interview mit Daniel P. Gross von der Harvard Business School.

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Gross veröffentlichte vor Kurzem seinen Arbeitsbericht “Creativity Under Fire: The Effects of Competition on Creative Production”, in welchem er Ergebnisse seiner Studie zum Einfluss von Wettbewerb auf kreative Ideenentwicklung darlegte. Er untersuchte dafür 122 zufällig ausgewählte Design-Wettbewerbe auf einer gut besuchten Online-Plattform. Sein Fazit: Wettbewerb kann Menschen anspornen Kreatives zu leisten, aber zu viel oder zu wenig davon bremst Kreativität aus.

Die Ergebnisse zeigen schließlich auch, dass Wettbewerb auf derartigen Plattformen soziale Einflüsse durchaus verstärken kann. In der Sozialpsychologie häufig untersuchte Phänomene lassen sich in den Ergebnissen von Gross wiederfinden, darunter:

Soziale Erleichterung durch Co-Aktion: Nach Gross sei beispielsweise Originalität, das Kern-Attribut kreativer Ideen, am größten in Co-Aktion von ein oder zwei Wettbewerbern mit ähnlichen Fähigkeiten.

Soziale Nachlässigkeit (bzw. Faulenzen): Intensiver Wettbewerb sowie Negativ-Feedback hemmen Teilnehmer, weitere Ideen zu posten, da ihr Beitrag kaum Aussicht auf Gewinn hat. Die Wahrscheinlichkeit dafür steigt dabei mit jedem weiteren Wettbewerber, der besser bewertet wird.

Die Orientierung an Gewinn lässt Teilnehmer in Wettbewerben ihre interne Motivation wohl eher verdrängen und statt new-to-market eher fit-to-market kreieren. Gross meint:

„The effect is strongest when a player receives her first five-star rating in a contest – her next design will be a near replica of the high-rated design“ (Gross 2016: 3).

Natürlich muss man sich fragen, inwieweit innerer Antrieb, d. h. aus Freude heraus zu agieren,  die Teilnahme in Online-Design-Contest überhaupt erklärt. Schließlich scheint der Crowdcreation-Markt eher Anlaufstelle für Professionelle zu sein, die sich etwas dazuverdienen wollen. Nichtsdestotrotz, sozialer Einfluss liegt immer vor in Gemeinschaften und Gross‘ Untersuchung zeigt, dass sozialpsychologische Aspekte im kreativen Crowdsourcing eine zentrale Rolle spielen.

Quellen:

Gross, Daniel P. „Creativity Under Fire: The Effects of Competition on Creative Production.“ Harvard Business School Working Paper, No. 16-109, March 2016.

Korkki, P. (2016): For Workplace Creativity, Find the Right Dose of Competition. Online:  http://www.nytimes.com/2016/05/22/business/for-workplace-creativity-find-the-right-dose-of-competition.html?_r=0 [26.05.2016].

 

Anja Solf

Anja Solf

Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachgebiet Medien- und Kommunikationsmanagement an der Technischen Universität Ilmenau.

Ihre kreative Ader lebt Anja nicht nur privat, sondern auch im Job aus: In Lehre und Forschung beschäftigt sie sich mit kreativen Prozessen in der Online-Ideengenerierung. Themen wie Crowdsourcing, Kundenintegration und User Innovation gehören zu ihren Schwerpunkten. Ansätze der Kreativitätsforschung in Kombination mit Theorien und Methoden der Soziologie und Sozialpsychologie helfen ihr, diese Konzepte zu entwirren und werfen im Gegenzug eine Menge Fragen auf: So z.B. warum Ideenwettbewerbe Erfolg versprechen, wenn sie Kreativität hemmen?
Anja Solf