Bereits im Sommer erschien an dieser Stelle ein Beitrag über die Publikationen Teil 1 & 2 der Studie, die wir in Kooperation mit dem Deutschen Journalisten-Verband (DJV) (Ansprechpartnerin: Kathrin Konyen, Mitglied des Bundesvorstandes) erstellt haben. Es geht um die immer wieder aktuelle Frage, wie die Ausbildung für Journalistinnen und Journalisten verbessert werden kann, aber auch wie junge Journalistinnen und Journalisten ihre Ausbildung gestalten, wie sie beruftstätig sind oder sich ihre Berufstätigkeit wünschen und welche Rollenkonzeptionen auf sie zutreffen. Dabei ging es uns auch darum zu erheben, ob Journalisten sich selbst auch als Unternehmer sehen bzw. inwiefern Sie „unternehmerischen Journalismus“ (entrepreneurial journalism) als Risiko oder als Chance bewerten.

Im Frühjahr haben wir eine Online-Befragung konzipiert und im Mai/Juni 2015 durchgeführt.  Wie schon im Sommer erläutert wollen wir die Ergebnisse dieser Studie den Öffentlichkeiten in Wissenschaft und Praxis zur Verfügung zu stellen. Unser Ziel ist es, mit diesen Ergebnissen den vorhandenen Diskurs über die Verbesserung der journalistischen Ausbildung zu bereichern. Daher werden die Ergebnisse der Studie über verschiedene Kanäle (z.B. über Diskussionspapier-Serie des Fachgebietes) zeitnah als Open Source zur Verfügung gestellt. Dabei warten wir nicht, bis der ganze Batzen an Daten komplett ausgewertet ist, sondern wir gehen schrittweise vor. Nachdem im Juli die zwei ersten Teilpublikationen erschienen sind, sind heute zwei weitere erschienen:

Darüber hinaus hat Kathrin Konyen bereits über die ersten Ergebnisse im Blog des DJV just heute unter dem Titel “An der Berufswirklichkeit vorbei” berichtet. Heute hat sie unter dem Titel „Unverbesserliche Weltverbesserer“ einen zweiten Beitrag publiziert, der sich auf die Ergebnisse der zweiten Auswertungswelle bezieht. Sind Journalistinnen und Journalisten also eigentlich doch unverbesserliche Weltverbesserer? Einige Ergebnisse deuten darauf hin:

Im Teil 3 geht es insbesondere um die Ausbildungswege in den Beruf. Es ist bekannt, dass gerade hier verschiedene Wege in den Beruf möglich sind. Auch in unserer Erhebung zeigt sich ein Bild höchster Heterogenität. Von verwertbaren Angaben von 218 Befragten zeigen sich 128 verschiedene Ausbildungswege. Insbesondere die an vielen Stellen in die Ausbildung eingeflochtenen Praktika – zu Beginn, parallel zum Studium, am Ende der Ausbildung machen die Ausbildungswege höchst verschieden. Markante, vielleicht sogar „typische“ Wege, stellen die Kombination aus nichtjournalistischem Fachstudium und Volontariat bzw. aus Studium der Journalistik / Publizistik und Volontariat dar. Immerhin insgesamt 37,1 Prozent der Befragten verfolgen einen dieser Wege. Bis zu neun Praktika absolvieren die Befragten im Rahmen ihrer Ausbildung, 43,2 Prozent der in Ausbildung befindlichen Befragten und 29,2 Prozent der berufstätigen Befragten absolvieren eines zu Beginn ihrer Ausbildung. – Auch konnten wir Ergebnisse zur Berufstätigkeit und zur gewünschten Karriere ermitteln. Welche Art von Berufstätigkeit gewünscht ist, kann in der Publikation nachgelesen werden.

Im Teil 4 ging es um eine ganz andere Fragestellung: Wie kann die journalistische Identität junger Journalistinnen und Journalisten beschrieben werden? Wie kann die unternehmerische Identität junger
Journalistinnen und Journalisten beschrieben werden? Wie unterscheiden sich innovative und traditionelle junge Journalistinnen und Journalisten insbesondere hinsichtlich unternehmerischer Konstrukte? Hier konnten wir mehrere spannende Ergebnisse erzielen. Neben traditionellen journalistischen Identitäten, wie Watchdog, Disseminator oder Service & Entertainment, konnten wir eine Gruppe an Befragten ermitteln, die sich eher mit einer innovativen journalistischen Identität identifizieren. Wenn die befragten jungen Journalistinnen und Journalisten sich als Unternehmer sehen, dann identifizieren sich die meisten Befragten mit der Identität des Missionars, für die gemäß Literatur als Unternehmer eine politische Vision (sozial, umweltbezogen) im Vordergrund steht, denen verantwortungsvolles Verhalten als zentrales Kriterium der Selbstevaluation dient und die als primären Bezugsrahmen die Gesellschaft sehen (vgl. dazu Fauchart & Gruber, 2011). Wenn innovative und traditionelle Journalisten miteinander verglichen werden, so unterscheiden sie sich hinsichtlich ihrer soziodemographischen Merkmale kaum. Doch innovative Journalisten haben eine höhere unternehmerische Intention und scheinen sich stärker mit unternehmerischer Identität zu identifizieren, als traditionelle Journalisten. Ob beide Gruppen entrepreneurial journalism als Gefahr oder Chance werten, kann auch in unserer Publikation nachgelesen werden.

Quellen:

Fauchart, E. & Gruber, M. (2011). Darwinians, Communitarians, And Missionaries: The Role of Founder Identity in Entrepreneurship. Academy of Management Journal, 54 (5), S.935-967

 

Britta Gossel

Britta Gossel

Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachgebiet Medien- und Kommunikationsmanagement an der Technischen Universität Ilmenau.

In Forschung und Lehre fokussiert sie sich auf die Themen Organisationskommunikation, Entrepreneurship, Medienmanagement und Strategie. Als ehemalige Stipendiatin ist sie heute ehrenamtlich Vertrauensalumna der Stiftung der Deutschen Wirtschaft in Thüringen. Weiterhin engagiert sie sich als Gründungsmitglied und Pressesprecherin im strategischen Lenkungskreis von auftakt. Das Gründerforum Ilmenau.
Britta Gossel