Im Frühjahr hatte ich an dieser Stelle ja schon einmal über Entrepreneurial Journalism beim DJV berichtet. Nun liegen die ersten Ergebnisse unserer gemeinsamen Studie mit dem DJV vor. Worum geht es eigentlich?

In Kooperation mit dem Deutschen Journalisten-Verband (DJV) (Ansprechpartnerin: Kathrin Konyen, Mitglied des Bundesvorstandes) erstellen wir am Fachgebiet für Medien- und
Kommunikationsmanagement der Technischen Universität Ilmenau eine Studie zum Thema. „Quo Vadis Journalistenausbildung?“ Es geht um die immer wieder aktuelle frage, wie die Ausbildung für Journalistinnen und
Journalisten verbessert werden kann. Im Frühjahr haben wir eine Online-Befragung konzipiert und im Mai/Juni 2015 durchgeführt.  Wir wollen die Ergebnisse dieser Studie den Öffentlichkeiten in Wissenschaft und Praxis zur Verfügung zu stellen. Unser Ziel ist es, mit diesen Ergebnissen den vorhandenen Diskurs über die Verbesserung der journalistischen Ausbildung zu bereichern. Daher werden die Ergebnisse der Studie über verschiedene Kanäle (z.B. über Diskussionspapier-Serie des Fachgebietes) zeitnah als Open Source zur Verfügung gestellt. Dabei warten wir nicht, bis der ganze Batzen an Daten komplett ausgewertet ist, sondern wir gehen schrittweise vor. Für den ersten Schritt planen wir drei Teilpublikationen, von denen nun zwei erschienen sind:

Darüber hinaus hat Kathrin Konyen bereits über die ersten Ergebnisse im Blog des DJV just heute unter dem Titel „An der Berufswirklichkeit vorbei“ berichtet. Findet die aktuelle Ausbildung von Journalistinnen und Journalisten tatsächlich an der Berufswirklichkeit vorbei statt? Einige Ergebnisse deuten darauf hin:

Im Teil 1 „Beschreibung von Forschungsinstrument, Datenerhebung und Datensatz“ kann man zunächst einmal nachlesen, wie wir vorgegangen sind. Wir haben mit einem Online-Fragebogen, der im Mai/Juni 2015 im Feld war, junge Journalistinnen und Journalisten befragt. Großartig, der Link zur Umfrage wurde tatsächlich 1224 mal aufgerufen. Das ist gar nicht einmal schlecht. 236 Personen haben den sehr umfassenden Fragebogen tatsächlich vollständig beendet – das ist immerhin eine Nettobeteiligung von 35, 76 Prozent. Aber das sagt natürlich noch nicht so viel aus. Wie viele der Befragten sind berufstätig, wie viele in Ausbildung? Wie viele weibliche bzw. männliche Beteiligte gab es? Wie alt sind sie? In welchen Bundesländern leben sie? Leben Sie eher im städtischen oder ländlichen Raum? Das haben wir alles gefragt und auch Antworten erhalten, die man natürlich in unserer ersten Teilpublikation nachlesen kann.

Im Teil 2 „Beschreibung, Bewertung und Verbesserung der journalistischen Ausbildung“ ging es dann im Detail um die Frage, wie die jungen Journalistinnen und Journalisten die Ausbildung beschreiben, bewerten und verbessern würden. Dazu haben wir zunächst abgefragt, über welche Ausbildungsformen die Befragten in den journalistischen Beruf einsteigen wollen bzw. eingestiegen sind. Dies war wichtig, denn es gibt nicht den typischen Weg in den Journalismus. Auf Basis dieser Angaben (Mehrfachantworten waren möglich) wurde dann individuell je Ausbildungsform angegeben, welche Ausbildungsinhalte Bestandteil der Ausbildung waren, also z.B. die Arbeitstechnik recherchieren oder Medienmanagement. Insgesamt haben wir so 52 Ausbildungsinhalte abgefragt. Im Ergebnis konnten wir so darstellen, welche Ausbildunginhalte aus Perspektive der Befragten in welcher Ausbildungsform vertreten waren. Im Ergebnis kann man z.B. sehen, dass Ausbildungsinhalte aus dem Bereich der Handlungskompetenz recht stark vertreten sind (z.B. die Arbeitstechniken recherchieren und selektieren), Ausbildungsinhalte im Bereich der unternehmerischen Kompetenz aber sehr wenig vertreten sind (z.B. betriebswirtschaftliche Fähigkeiten für eine Existenzgründung als Journalist oder Techniken zur Entwicklung einer Geschäftsidee). Auch im Vergleich zeigten sich Unterschiede zwischen den Ausbildungsformen aus Sicht der Befragten: Während z.B. im nicht-journalistischen Fachstudium Ausbildungsinhalte der Sachkompetenz sehr deutlich vertreten sind, sind es an der Journalistenschule eher die Ausbildungsinhalte der Handlungskompetenzen.

Ob ein Ausbildungsinhalt in einer Ausbildungsform vertreten ist, sagt aber noch nicht so viel aus. Relevant an dieser Stelle erscheint auch, wie die Befragten dies bewerten. Sind Ausbildungsinhalte im Bereich der kommunkatonswissenschaftlichen Theorien und Methoden zu viel, genau richtig oder zu wenig Bestandteil der journalistischen Ausbildung? Oder sind sie möglicherweise aus Sicht der Befragten nicht relevant? Auch dies ließen wir die jungen Journalistinnen und Journalisten bewerten. Im Ergebnis zeigt sich, dass insbesondere Ausbildungsinhalte im Bereich der Managementkompetenz und der unternehmerischen Kompetenz deutlich als zu wenig Bestandteil der journalistsichen Ausbildung bewertet werden. So werteten über 65 Prozent der Befragten. In einem letzten Schritt fragten wir nach Verbesserungsvorschlägen. Dies erfolgte in einer offenen Frage, für die 152 Antworten vorlagen. In welche Richtung sich die jungen Journalistinnen und Journalisten eine Verbesserung der Ausbildung vorstellen kann in unserer zweiten Teilpublikation nachgelesen werden.

 

Britta Gossel

Britta Gossel

Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachgebiet Medien- und Kommunikationsmanagement an der Technischen Universität Ilmenau.

In Forschung und Lehre fokussiert sie sich auf die Themen Organisationskommunikation, Entrepreneurship, Medienmanagement und Strategie. Als ehemalige Stipendiatin ist sie heute ehrenamtlich Vertrauensalumna der Stiftung der Deutschen Wirtschaft in Thüringen. Weiterhin engagiert sie sich als Gründungsmitglied und Pressesprecherin im strategischen Lenkungskreis von auftakt. Das Gründerforum Ilmenau.
Britta Gossel